Konrad Lorenz: „Das sogenannte Böse“

Warum gibt es Krieg und damit Leid? Das so genannte Böse von Konrad Lorenz sucht nach dem Ursprung der Aggression, dem auf den Artgenossen gerichteten Kampftrieb bei Mensch und Tier. So fand der österreichische Nobelpreisträger heraus, dass Zierfische, sobald man zu viele von ihnen in ein Aquarium setzte, begannen, sich gegenseitig zu bedrohen und versuchten, einander umzubringen. Dieses Aggressionsverhalten beobachtete er bei (freien) Korallenfischen genauso wie bei Graugänsen (für die er berühmt wurde). Oder Menschen.

Menschen entwickeln, solange sie arm und hungrig sind, starke Aggressionen, gegen sich - aber auch gegen Tiere. So ist die Gewaltbereitschaft (hungernder) Afrikaner auch leichter zu verstehen. Erst ein Wohlstandsbäuchlein macht den Menschen offensichtlich sozial verträglich.

In die Neuzeit übertragen, heißt das für mich: Sozialistische Regime – sie definieren sich traditionellerweise über die Leitidee des Gemeinnutzes -  gehen immer mit Armut und Diktatur einher. Damit ist in solchen Gesellschaften auch immer für latent vorhandene Aggression gesorgt. Sozialistische Regime lassen sich nur in autoritären Staatsformen verwirklichen, immerhin wollen sie „ihr vom Kapitalismus verdorbenes Volk“ wieder mit (mehr oder minder offen zugegebenem) Zwang zum Idealzustand des Gemeinnutzes umerziehen. Ihre Gewaltherrschaft rechtfertigen sie dabei immer mit dem Schutz des „sozialistischen Paradieses“ vor den Sündenböcken.

Die Aggressionen in der Gesellschaft, die durch die Unfähigkeit des gemeinnutzorientierten Systems, seine Menschen anständig zu ernähren, überhaupt erst entstehen, leiten sie auf jene Menschen ab, denen sie „unsozialistisches“, also eigennutzorientiertes Verhalten zuschreiben. Diese müssen vom „gesunden Volkskörper“ separiert werden.

Die Folge sind Umerziehungs- und Konzentrationslager quer über alle sozialistischen Regime hinweg. In den GULAGS (die KZs der sowjetischen Sozialisten) wurden schätzungsweise 8 bis 12 Millionen Menschen durch Hunger und Arbeit getötet. Kambodschas Sozialisten unter Pol Pot massakrierten 20% der eigenen Bevölkerung in nur vier Jahren. Um in Vernichtungslagern mit Eisenstangen erschlagen zu werden, reichte es schon aus, dass jemand früher einmal einen profitorientierten Obstladen betrieben oder ein altes Fahrrad mit Gewinn verkauft hatte.

Während Chinas Kulturrevolution richtete sich die Aggression des Volkes (bis zu 90% der Chinesen hungerten im Sozialismus bis 1979) direkt auf vermeintliche „Abweichler“. Mindestens 10 Millionen Menschen erschoss man mitten auf der Straße oder hängte sie an Laternenmasten auf. Dabei reichte es, wenn Nachbarn die Opfer als eigennutzorientiert oder gar kapitalistisch angezeigt hatten.
Der grausamen Beispiele gibt es leider noch zu Haufe.

Allen gemeinsam ist es, dass ihre Bevölkerungen hungern und leiden mussten, weil ein System nicht fähig war, genügend Wohlstand zu erzeugen. Die größte von Menschenhand verursachte Hungersnot der Menschheitsgeschichte war übrigens von Chinas Sozialisten verschuldet worden, als man das Land auf eine gemeinnutzorientierte Kooperativen-Wirtschaft umstellen wollte. Über 40 Millionen Tote forderte das Experiment. Mehr als der europäische Teil des Zweiten Weltkrieges.

Und die Nationalsozialisten? Lorenz konstatiert: Die Deutschen hatten in den 1920igern mit Sicherheit einen höheren Lebensstandard als so manche afrikanische Länder heute. Aber der Rückfall des allgemeinen Wohlstandes durch den ersten Weltkrieg (und die damit verbunden Finanz- und Weltwirtschaftskrisen) hatte offensichtlich eine ähnlich hohe Aggressivität ausgelöst wie in oben genannten Ländern.