Arbeitslosigkeit, Wohlstand, Fleiß

In Attacs deutschsprachigem Newsletter „Sand im Getriebe“ meint man:
„Wenn in einem durchschnittlichen Unternehmen die Arbeitszeit von 35 auf 40 Wochenstunden angehoben wird, steigt unmittelbar auch die Arbeitskapazität um 15 Prozent. Da dem aber kaum eine wachsende Nachfrage im gleichen Umfang gegenüber steht, entstünden personelle Überkapazitäten von ebenfalls 15 Prozent. (…) Jeder 7. Arbeitsplatz wäre in Gefahr“ .

Attac unterliegt hier dem marxistischen Grundirrtum des Nullsummenspiels − demnach wäre die Summe der vorhandenen Jobs genauso wie die der Kaufkraft immer 1. Wenn Menschen aber länger arbeiten, laufen auch die Maschinen länger und es werden mehr Güter produziert. Die Zentralbank druckt mehr Banknoten,l bringt sie durch Beamtengehälter in Umlauf und letztendlich steigen neben den Umsätzen und Gewinnen auch die Löhne. Das größere Güterangebot führt des Weiteren zu verschärftem Wettbewerb und die Preise bleiben niedrig, die Massenkaufkraft steigt. Die höheren privaten Ausgaben kurbeln die Nachfrage an und die Arbeitslosigkeit sinkt.

Vorbildhaft gelebt in der Schweiz! Inflation, Zinsen oder Arbeitslosigkeit verharren seit Jahrzehnten knapp über dem Gefrierpunkt. Und das bei 44 Stunden Wochenarbeitszeit. Aber auch bei um 50% höheren Löhnen.

„Die Österreicher arbeiten international gesehen sehr wenig, haben aber die zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU“, meldet sich da die Engagierte von der Pfarre drüben.

Stimmt so aber nicht. Österreichs geringe Jahresarbeitsleistung sorgt auch hierzulande für viele Arbeitslose. Weil das für den Mainstream aber politisch peinlich ist, schickt man sie in Rente. Über 30% kostet das den österreichischen Arbeitnehmer durchschnittlich vom Bruttolohn . Und so arbeitet man in Österreich (und Deutschland) zwar wenige Arbeitsstunden und auch nur relativ wenige Arbeitsjahre − verzichtet deshalb aber auch auf eine hohe Kaufkraft und einen entsprechenden Lebensstandard.

In kaum einem Land gehen Menschen schon so früh in Pension wie im (östlichsten) Alpenland. Nur Franzosen flüchten heute noch früher aus dem Arbeitsleben: Männer retten sich dort schon mit 58,7 aus dem kurzen Arbeitsleben, Österreich liegt mit 58,9 Jahren nur knapp dahinter.

In der restlichen OECD geht man erst mit 63,5 in Rente. In den letzten 10 Jahren gingen durchschnittlich 150.000 Österreicher „zu früh“ in Rente. Bei 4,1 Millionen Erwerbstätigen sind das sagenhafte 3,6% der werktätigen Bevölkerung! Damit erscheinen sie auch nicht mehr in der politisch heiklen Arbeitslosen-, sondern in der unverfänglicheren Pensionsstatistik. Und vergrößerten das Heer der über 2 Millionen ASVG- und der halben Million an Beamten-Pensionären. Verschöbe man die Neo-Pensionäre aber in die Arbeitslosenstatistik zurück, explodierte dieser Wert sofort auf realistischere 9,1%.

Ein österreichisches Unikum: Selbst in der Zentralverwaltung brauchen heimische Eisenbahner statt 45 nur 35 Jahre zu schuften, um an die Vollpension zu kommen. 220.000 Eisenbahner ließ man deshalb mit durchschnittlich 52 „gut dotiert“ von dannen ziehen (bei 48.000 aktiven Beitragszahlern!).

Damit produzieren sie 13 Jahre kürzer Güter und Dienstleistungen, erzeugen damit entsprechend weniger BIP und Steuern, saugen aber mit ihren guten Pensionen die nun weniger vorhandenen Steuermittel ab. Ein Teufelskreis der Realeinkommensvernichtung.

Rechnet man die Eisenbahner zur „ehrlichen“ Arbeitslosenrate dazu, man müsste diese um weitere 5,4%-Punkte erhöhen. Und käme auf sagenhafte 14,5%.

Auch in Deutschland sehen die Zahlen ähnlich bitter aus. 3% seiner Bevölkerung bugsierte man auch dort aus der Arbeitslosen- in die Pensionsstatistik, ebenso in Frankreich. In kapitalistischen Ländern wie den USA, Japan oder auch der Schweiz sind solch sozialpolitisch motivierte Vertuschungsphänomene unbekannt, weil einfach nicht erforderlich. Der Fleiß sorgt für niedrigere gesellschaftliche Kosten, die Steuern können niedrig bleiben und die hohe Kaufkraft sorgt bei ihren Bürgern für eine gute Stimmung.

In nachfolgender Aufstellung werden zwei kapitalistische Länder (USA, Schweiz), ein „halbwegs“ kapitalistisches Land (Japan) drei sehr sozialen Ländern gegenübergestellt. Die Arbeitslosenraten wurden um den Frühpensionärs-Faktor korrigiert.

Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, Fleiß und Wohlstand ist unverkennbar. Je mehr und länger man in einer Volkswirtschaft arbeitet, desto höher ist die Kaufkraft und desto geringer ist die Arbeitslosigkeit. Wenn man Ihnen Modelle kunstvoll vorrechnet, die diese Logik erstmals in der Menschheitsgeschichte durchbrechen wollen, ist Skepsis angesagt. Dass in fleißigen Kulturen so nebenbei auch noch die gesellschaftliche Stimmung besser ist, zeigt der nächste Beitrag.