Christopher Coleman mag Banken nicht (mehr)

Ab 1997 explodierten buchstäblich die US-Immobilienpreise. Immer neuere und immer größere Häuser leistete man sich mit geborgtem Geld. Sehen sie sich die Häuser an, in denen die verzweifelten Hausfrauen in der gleichnamigen US-Serien wohnen. Lebte eine Familie bisher auf 200qm Wohnfläche, mussten es jetzt 400 sein. Das trieb die Häuserpreise in ungekannte Höhen. Durch die hohen Immobilienwerte beschlich Amerikaner zudem das Gefühl, ständig wohlhabender zu werden. Das Gegenteil war aber der Fall. Durch die noch stärker angestiegene Verschuldung war das Nettovermögen pro Haushalt sogar leicht gesunken.

Unglücklicherweise haben Amerikaner nur geringe Berührungsängste mit Krediten. Christopher Coleman ist ein normaler Angestellter bei einem großen Reifenhändler. Als in seiner Nachbarschaft schon der dritte Nachbar für ein größeres Haus weggezogen war, fing Christopher Coleman an, nervös zu werden. Er fragte sich, ob er nicht gerade eine Riesenchance verpassen würde. Nach einem Gespräch mit seiner Freundin Emily kamen die beiden zu dem Entschluss, dass sie die Gunst der Stunde nutzen sollten.

2002 kauften sich die beiden ein Häuschen für 100.000 Dollar und bezahlten es mit einem Fixed Rate Mortgage Loan. Der Zinssatz von 2 Prozent war für drei Jahre festgeschrieben. Nun sanierte man die Hütte an den Wochenenden und schon am Jahresende zog man dann in sein Traumhaus ein.

Doch 2003 ereigneten sich wundersame Dinge. Immer öfters klopften fremde Leute abends an die Tür und fragten, ob das süße Häuschen denn nicht zu kaufen wäre. Sie hätten die Kreditzusage einer Bank schon in der Tasche und wären heute in besonders guter (Kauf-) Laune. Ein Makler machte Emily und Christopher schließlich ein konkretes Angebot über 150.000 Dollar für ihr Häuschen. Unisono schlugen es die beiden aus, doch liefen sie schnurstracks zu ihrem Bankberater und hielten es ihm triumphierend vor die Nase. Zwei Stunden später ging man mit der Kreditzusage über weitere 50.000 Dollar Kredit nach Hause. Als Sicherheit erhöhte die Bank ihr im Grundbuch eingetragenes Pfandrecht (das nennt man auch Hypothek; auf Englisch: Mortgage) auf den Wert von 150.000 Dollar. Mit den 50.000 Dollar Kredit wollte man es sich so richtig gut gehen lassen.

Für Freundin Emily war Christopher der Held des Jahres 2003. Die Wochenenden verbrachte man fortan im Shoppingcenter, die Kleiderkästen wurden voll und voller. Und irgendwann stand dieses Cabrio „Made in Japan“ dann vor der Tür. Den Tauchurlaub im mexikanischen Cancún hielt man mit der neuesten Videokamera fest. Die Stimmung stieg, die Wirtschaft wuchs. Genau genommen wuchs aber nur die Importwirtschaft. Produziert wurde in fremden Ländern.

Als die Immobilienpreise 2005 plötzlich zu sinken begannen und die Fixzinsbindung des Kredites ausgelaufen war, bekam Christopher eines Tages Post von seiner Bank. Der Brief war eher kühl gehalten. Das Haus wäre jetzt am Markt nur mehr 100.000 Dollar wert und die Kreditzinsen seien auf 7 Prozent angestiegen. Um neue Sicherheiten bat man ihn. Von 50.000 Dollar Unterdeckung war im Brief die Rede. Christoper Coleman nahm den Brief nicht ernst. Schließlich besaß er wertvolle Dinge, die er im schlimmsten Falle ja auch verkaufen könnte.
Mit Grausen stellte Christoper aber bald fest, dass gebrauchte Videokameras und alte Tauchanzüge im Internet nur einen Bruchteil ihres alten Preises bringen. Zum Glück hatte Christopher noch einen guten Job und so konnte er sich die nun doppelt hohen Raten leisten. Für anderes blieb allerdings kein Geld mehr übrig.
„Alles, was ich heute verdiene, muss ich den Banken in den Rachen schmeißen“, hadert Christopher nun mit seinem Schicksal. Denn die Banken haben seinen Traum zerstört.