Die Kleinen bezahlen keinen Penny

1,9 Millionen Österreicher erhalten 6,3 Millionen. Oder: Eine „reiche“ Minderheit bezahlt für eine Mehrheit von 77%. Quelle: iv 2010

Der Preis für Bushs Wiederwahl 2004: 1.662 Milliarden Dollar Abschreibungen für geplatzte Kredite (November 2009)  . Das PBCS-Modell „Bush/Greenspan“ hatte zwischen 5.000 und 7.000 Milliarden an Krediten für die kleinen Leute mobilisiert. Die Hälfte hatte Fannie Mae und Freddie Mac angekauft, entweder weiterverkauft oder halten sie noch in ihren Büchern.

96 Milliarden US-Dollar an „Tax Payers’ Money“ musste Amerikas Mittelstand alleine für die beiden größten Bausparfinanzierer lockermachen. Weitere 100 Milliarden dürften folgen. Es war somit der teuerste Wahlkampf aller Zeiten. Der Anteil aus der Bundesrepublik (in Form von Abschreibungen bei deutschen Banken) betrug dabei gut 106 Mrd. Dollar, 8,6 Prozent am Gesamtbudget der Amerikaner. 2009 rechnete der IWF damit, dass für die gesamte Welt Verluste von bis zu 3.400 Mrd. Dollar auftauchen könnten . 2010 geisterten schon Zahlen von 10.000 Milliarden Dollar herum.

„Die Zeche zahlen doch wieder bloß die Kleinen!“, triumphiert Martin stolz. Es waren aber ausgerechnet die Kleinen in den USA, denen 7.000 Milliarden Dollar zugutegekommen waren. Die Zeche wird weltweit von Mittel- und Oberschichten eiskalt eingefordert. 45 Prozent der Österreicher bezahlen von Haus aus weder Lohn- noch Einkommenssteuer. Das erledigen auch hierzulande freundlicherweise Mittelstand und Oberschicht. Die Mittelschicht füllt zu 40 Prozent die Steuertöpfe, die 10% der Reichsten (ab 60.000 Euro brutto jährlich) zahlen die restlichen 60 Prozent. Wie kaum in einem anderen Land der Erde lassen sich unsere Ehrgeizlinge hierzulande schröpfen. Als Techniker, als Kreative, als Unternehmer, Manager oder Wissenschaftler schuftet so mancher bei einer Steuerprogression von 50 Prozent (und bis zu 18,5 Prozent Sozialversicherung) auch samstagnachts noch für die kleinen Leute.

Nur 1,9 Millionen Österreicher zahlen mehr Steuern, als sie an Sozialleistungen bekommen, der Rest von 6,3 Millionen bekommt mehr, als er bezahlt. Das Geld fließt an die restlichen 6,3 Millionen, die somit mehr erhalten, als sie bezahlen . Es fließt an diejenigen, die nicht arbeiten können, oder wollen oder sollen. An solche wie Kinder, Arbeitslose oder Pensionäre. Somit erhält ein Netto-Transfer-Zahler heute schon vier Netto-Empfänger.

„Die Umsatzsteuer, die muss aber auch von kleinen Leuten bezahlt werden. Das ist wie eine Art „Flat Tax. Wenn jemand freizeitorientiert ist und halt nur 20 Stunden in der Woche arbeiten will, verdient er netto auch nur 900 Euro. Er muss genauso 20% Umsatzsteuer bezahlen wie der ehrgeizige Steuerberater, der das Fünffache verdient“, beschwert sich Martin bitter.

In Wahrheit wird der Wenigarbeiter vom Sozialsystem hoch subventioniert. Durch die viele Freizeit hat er zum Beispiel auch mehr Unfälle und vielleicht auch kompliziertere Operationen. So etwas kostet mit Reha-Aufenthalt schon einmal 10.000 Euro. Von seinem kleinen Lohn zahlt er 1,4% in die Unfallversicherung oder 15,40 Euro im Monat (beim Bruttolohn von 1.100 Euro). Dafür bekommt er die gleiche medizinische Leistung wie der Anwalt, der 60 Stunden die Woche in der Kanzlei verbringt. In Wahrheit subventioniert der Multi- den Halbtagsbeschäftigten. Damit subventioniert er aber auch dessen Einkäufe. Und dessen 20%ige Umsatzsteuer.

Globalisierungsängstiger schwärmen heute von der Muße eines freizeitorientierten Lebensstils. Maximal 20 Stunden sollten Menschen noch arbeiten müssen. Das stärkte dann auch gemeinnutzorientierte Weltanschauungen in der Gesellschaft. Durch das subventionierte Leben unserer Halbtagskraft ist aber er, der Freizeitorientierte, in Wahrheit eigennutzzentriert, der Steuerberater als Subventionsgeber hingegen (zwangsweise) gemeinnutzorientiert.